Im ersten Teil haben wir uns bereits angeschaut, woher das beste Gießwasser kommt und mit welchen Systemen (wie Tropfschläuchen oder Ollas) Du Deine Beete und Kübel fast vollautomatisch versorgen kannst.

 

Jetzt gehen wir einen Schritt tiefer – und zwar sprichwörtlich unter die Erdoberfläche. Denn selbst das beste Bewässerungssystem nützt wenig, wenn das Wasser in der prallen Sonne sofort wieder verdunstet oder nur die obersten Zentimeter der Erde erreicht. Gerade für Gartenneulinge mit wenig Zeit ist es wichtig, die Physik des Bodens für sich arbeiten zu lassen.

 

In diesem zweiten Teil erfährst Du, wie Du mit simplen Tricks wie dem „Tomaten-Topf“ oder Bewässerungssäcken das Wasser ohne Umwege direkt an die tiefen Wurzeln leitest. Außerdem räumen wir mit den klassischen Fehlern beim Rasensprengen auf und zeigen Dir, wie Du die Verdunstung in Deinen Beeten mit minimalem Aufwand stark reduzierst. Lass uns direkt loslegen, damit Dein Gartenparadies auch an den heißesten Tagen tiefenentspannt bleibt!

 

Tiefenbewässerung: Wasser direkt an die Wurzeln leiten

Je tiefer Pflanzen wurzeln, desto besser kommen sie mit Trockenphasen zurecht. Denn während die obere Erdschicht austrocknet, können sie mit den tieferen Wurzeln noch immer Wasser erreichen. Um ein tiefes Wurzelwachstum zu fördern ist es deshalb wichtig, dass das Wasser tief in den Boden eindringt, damit auch die Wurzeln tief wachsen. Befeuchtest Du beim Gießen stets nur die obersten drei Zentimeter im Beet, bleiben die Wurzeln sehr flacht. Ein weiterer Pluspunkt: Wasser, das tief versickert, verdunstet nicht  –  Du tust Deinen Pflanzen etwas Gutes und sparst gleichzeitig Wasser. Damit das gelingt, kannst Du auf ein paar einfache Tricks zurückgreifen.

 

Der Gießrand: Erdwälle für punktgenaues Wässern

Nachhaltig gießen, Teil 2: Tiefenbewässerung, Rasenpflege & Verdunstungsschutz

Die einfachste Methode der Tiefenbewässerung kostet Dich keinen einzigen Cent und ist in wenigen Sekunden erledigt: der Gießrand. Wenn Du eine neue Staude, einen Beerenstrauch oder Gemüse pflanzt, formst Du aus der überschüssigen Erde einen kleinen, etwa handhohen Wall ringförmig um die Pflanze herum.

Wenn Du nun gießt, funktioniert dieser Erdwall wie ein kleines Becken. Das Wasser kann nicht oberflächlich zu den Seiten weglaufen, sondern wird genau über dem Wurzelballen gestaut. Es gezwungen, langsam und senkrecht nach unten zu versickern. Das spart Wasser und sorgt dafür, dass Deine Neupflanzungen von Anfang an tief wurzeln.

 

Der Tomaten-Trick: Eingegrabene Blumentöpfe als Gießhilfe

Tomaten, Gurken und Kürbisse sind sogenannte Starkzehrer – sie wachsen rasant und brauchen im Sommer enorme Mengen Wasser. Wenn Du hier einfach mit der Kanne drübergießt, schwemmst Du oft die Erde weg und das Wasser fließt ungenutzt zur Seite.

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Hier hilft ein genialer Upcycling-Trick: Versenke beim Pflanzen einfach einen ganz normalen, leeren Plastik- oder Tontopf (mit Löchern im Boden) direkt neben der Pflanze so tief in der Erde, dass der Rand noch knapp herausschaut. Beim Gießen füllst Du ab jetzt einfach nur noch diesen Topf, der das Wasser wie ein Trichter tief und gezielt in den Wurzelbereich leitet. Die Blätter Deiner Tomaten bleiben dabei absolut trocken, was ganz nebenbei der gefürchteten Kraut- und Braunfäule vorbeugt.

Tipp: Hast Du ein Hangbeet mit Gefälle, eignet sich dieser Trick auch hier. Du verhinderst, dass das Wasser den Hang herunterläuft, bevor es auch nur eine Chance hatte zu versickern.

 

Bewässerungs- und Drainagerohre für große Pflanzen und Sträucher

Wenn Du größere Sträucher, Großstauden oder Bäume pflanzt, reicht ein kleiner Blumentopf nicht mehr aus. Hier lohnt es sich, beim Einpflanzen direkt ein Stück flexibles, gelochtes Drainagerohr (aus dem Baumarkt) mit in das Pflanzloch zu setzen.

Das Rohr wird so platziert, dass es unten direkt an den tiefen Wurzeln vorbeiführt und oben ein Stück aus der Erde herausragt. Stecke beim Gießen einfach den Gartenschlauch für ein paar Minuten direkt in dieses Rohr. So flutest Du die tieferen Erdschichten direkt an der Basis. Das regt die Pflanze an, ihre Wurzeln tief in den Unterboden zu schicken, wo sie auch in künftigen Trockenperioden noch Feuchtigkeit findet.

 

Bewässerungssäcke: Die Rettung für neugepflanzte Bäume

Junge Bäume haben es anfangs besonders schwer, wenn die Sommer heiß und trocken werden. Ihr Wurzelsystem ist noch klein, und beim normalen Gießen verdunstet das Wasser oder fließt ab, ehe der tief sitzende Wurzelballen etwas davon abbekommt.

Die Lösung für dieses Problem siehst du mittlerweile auch in fast jeder Stadt: grüne Bewässerungssäcke. Diese Säcke werden einfach wie eine Jacke um den Baumstamm gelegt, mit einem Reißverschluss verschlossen und mit bis zu 75 Litern Wasser befüllt. Durch winzige Löcher im Boden des Sacks wird das Wasser nun über einen Zeitraum von 5 bis 9 Stunden tröpfchenweise (Tröpfchenbewässerung) an die Erde abgegeben. Der Boden kann das Wasser perfekt aufnehmen, es gibt null Verschwendung und der Baum wird tiefenwirksam versorgt, während Du schon längst wieder auf der Sonnenliege entspannst.

Achte nur darauf, den Sack nicht ununterbrochen am Stamm zu lassen, da dies auf Dauer zu Fäulnis führen kann.

 

Rasenflächen richtig sprengen: So vermeidest Du Wasserverschwendung

Nachhaltig gießen, Teil 2: Tiefenbewässerung, Rasenpflege & Verdunstungsschutz

Ein sattgrüner Rasen ist der Traum vieler Gartenneulinge – im Hochsommer mutiert er jedoch schnell zum größten Wasserschlucker überhaupt. Wenn Du hier unüberlegt den Rasensprenger einschaltest, treibst Du nicht nur die Wasserrechnung in astronomische Höhen, sondern schadest im schlimmsten Fall sogar dem Gras.

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Mit zwei einfachen Grundregeln bleibt der Rasen grün, ohne dass Du Wasser verschwendest. Diese Tricks gelten übrigens nicht nur für den Rasen, sondern auch Deine Beete.

 

Der richtige Zeitpunkt: Warum die Mittagshitze tabu ist

Es ist der klassische Fehler: Die Sonne brennt, der Rasen sieht trocken aus, also schmeißt Du mittags den Sprenger an um zu retten, was noch zu retten ist. Das Problem? Bei glühender Hitze verdunstet ein Großteil des Wassers, noch bevor es überhaupt den Boden berührt oder die Wurzeln erreicht.

Zudem riskierst Du den gefürchteten Brennglas-Effekt: Die Wassertropfen wirken auf den Grashalmen wie kleine Lupen, die das Sonnenlicht bündeln und die Halme regelrecht verbrennen lassen.

Deutlich besser ist es, das Sprengen in die kühlen, frühen Morgenstunden zwischen 4 und 7 Uhr zu legen. Dann ist der Boden abgekühlt, das Wasser sackt tief ab und die Pflanzen können sich für den anstehenden Hitzetag vollsaugen. Der späte Abend ist die zweitbeste Wahl, birgt aber das Risiko, dass der Rasen über Nacht zu lange nass bleibt, was Schnecken und Pilzkrankheiten anlockt. Falls Du nicht so früh aufstehen willst, kann ein Bewässerungscomputer wie wir ihn bereits von den Tropfschläuchen kennen das frühe Gießen übernehmen.

Seltener, aber kräftig: das Prinzip der „tiefen Durchdringung”

Viele gießen ihren Rasen im Sommer jeden Tag für 10 bis 15 Minuten. Das klingt logisch, ist aber genau falsch. Durch das kurze Wässern wird nur die oberste Erdschicht feucht. Im Abschnitt zur Tiefenbewässerung bin ich schon drauf eingegangen, weshalb wir genau das Gegenteil erreichen wollen: Bei rein oberflächlicher Befeuchtung bleiben auch die Graswurzeln nur an der Oberfläche, weil sie dort täglich ihr Wasser bekommen. Wird es dann aber richtig heiß oder Du fährst in den Urlaub, vertrocknet der Rasen sehr schnell, weil die Oberfläche austrocknet.

Gieße deshalb lieber nur ein–  bis zweimal pro Woche, dafür aber richtig kräftig  –  idealerweise etwa 20 Liter pro Quadratmeter. So kann der Boden sich richtig vollsaugen und das Wasser gelangt tief in die unteren Bodenschichten vor. Um an diese Reserven heranzukommen, sind die Graswurzeln gezwungen, tief in das Erdreich zu wachsen. Ein tief verwurzelter Rasen übersteht auch eine längere Hitzewelle deutlich besser, ohne sofort braun zu werden!

 

Extra-Tipps: Verdunstung im Beet clever stoppen

Wassersparen fängt nicht erst beim Gießen an, sondern bei der Vorbereitung des Bodens. Sorge dafür, dass er Wasser optimal aufnehmen kann und vor der Sonne geschützt ist, damit weniger Wasser verdunstet. Je mehr Wasser aufnimmt und hält, desto seltener musst Du gießen.

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Die Mulchschicht: Wie Rasenschnitt und Co. das Wasser im Boden halten.

 

Nachhaltig gießen, Teil 2: Tiefenbewässerung, Rasenpflege & Verdunstungsschutz

Nackte Erde ist im Sommer der größte Feind für Deine Pflanzen. Die Sonne brennt ungehindert darauf, der Boden heizt sich auf und trocknet aus wie eine Wüste. Die einfachste Lösung dagegen ist das Mulchen.

Verteile im Beet eine etwa 3 bis 5 Zentimeter dicke Schicht aus organischem Material zwischen Deinen Pflanzen. Perfekt geeignet ist getrockneter Rasenschnitt (vom letzten Mähen), feiner Rindenmulch oder Stroh (besonders bei Erdbeeren und Tomaten). Diese Schicht ist eine schützende Decke, die den Boden kühl hält. Je nach Zusammensetzung und Standort reduziert eine Mulchschicht die Verdunstung um ein Drittel bis hin zu 70 Prozent. Und ganz nebenbei unterdrückt sie auch noch das Wachstum von Unkraut. Weniger Gießen, weniger Jäten – ein absoluter Win-win-Tipp!

 

Die Erde auflockern

Hast Du schon mal versucht, Wasser auf eine steinhart getrocknete Erde zu gießen? Es perlt einfach ab und läuft ungenutzt weg. Deshalb gilt eine alte Gärtnerweisheit: Einmal hacken spart dreimal gießen!

Schnapp Dir regelmäßig eine kleine Harke oder einen Grubber und lockere die oberste Erdschicht im Beet vorsichtig auf. Durch das Aufbrechen der harten Kruste kann der Boden den nächsten Regenguss oder das Gießwasser viel besser aufnehmen.

 

Ein gesunder Boden

Langfristig hilft der Humusaufbau: Ein Boden, der durch reichlich Kompost gepflegt wird, funktioniert wie ein natürlicher Schwamm. Er kann riesige Mengen Wasser speichern und gibt es in Hitzeperioden ganz langsam wieder an die Pflanzen ab.

(Wie du deinen Boden perfekt analysierst und verbesserst, erfährst du übrigens im Detail in unserem zweiten Teil unserer Artikelreihe zum Beetanlegen!)

 

Fazit: Das passende System für jeden Gartentyp

Wassersparend und effizient zu gießen ist absolut kein Hexenwerk – und vor allem erfordert es nicht, dass Du Deinen gesamten Feierabend opferst. Für den perfekten Einstieg musst Du nicht direkt den ganzen Garten umgraben oder teure Profi-Systeme installieren. Oft reicht es schon, mit einer einfachen Regentonne zu starten, die Mittagshitze beim Gießen zu meiden und die Beete mit einer dicken Mulchschicht vor der Sonne zu schützen.

Wenn Du wenig Zeit hast, sind Systeme wie Tropfschläuche mit einem einfachen Bewässerungscomputer oder selbstgebaute Ollas die absoluten Gamechanger. Sie nehmen Dir die tägliche Arbeit ab und halten deine Pflanzen gesund, während Du entspannt die Füße hochlegen kannst. Probiere einfach aus, was am besten zu Dir, Deinem Budget und Deinem Garten passt. Deine Pflanzen – und Deine Wasserrechnung – werden es Dir danken!