Es ist Herbst. Draußen fallen die Blätter, drinnen fällt Dir ein, dass Du „den Garten noch winterfest machen“ wolltest. Deine Nachbarin hat längst alles erledigt: Die Hecke ist auf Kante geschnitten, der Rasen sieht aus wie ein Golfplatz, und das Laub steht in ordentlichen Säcken an der Straße. Und Du? Du stehst mit Deinem Kaffee am Fenster und fragst Dich, ob man einen Garten auch einfach ignorieren kann, bis er im April von selbst wieder hübsch wird.

Die gute Nachricht: Fast! Den Garten winterfest machen klingt nach drei Wochenenden Schufterei. In Wahrheit sind es eine Handvoll Aufgaben, die echte Schäden verhindern, also geplatzte Wasserhähne, erfrorene Lieblingspflanzen und Terrakottascherben. Der Rest ist Kosmetik. Und manches, was Deine Nachbarin so fleißig erledigt, lässt Du besser bleiben. Das Laub zum Beispiel.

Meine Checkliste ist für alle, die ihren Garten mögen, aber ihre Samstage lieber woanders verbringen. Ein Vormittag reicht. Versprochen!

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Warum Du weniger tun musst, als Du denkst

Die Natur per se kommt seit ein paar Millionen Jahren ohne Dich durch den Winter. Stauden ziehen sich in die Erde zurück, Bäume werfen ihr Laub ab, Igel verkriechen sich im nächsten Blätterhaufen. Die Natur hat das im Griff. Ärger machen nur die Dinge, die wir Menschen in den Garten gebracht haben: Wasserleitungen, Tontöpfe, Pflanzen aus dem Mittelmeerraum und Gartenmöbel aus Holz.

Deshalb teile ich die Aufgaben in zwei Gruppen: Muss und Darf liegen bleiben. Die Muss-Liste schützt Dich vor teuren Überraschungen im Frühjahr. Die zweite Liste darfst Du mit gutem Gewissen ignorieren, mit sehr gutem sogar, denn vieles davon hilft Tieren und Boden.

Für mich persönlich war das ein Aha-Moment. Faulheit im Herbstgarten hat einen offiziellen Namen, und der lautet „naturnah gärtnern“. Klingt gleich viel besser.

Die Muss-Liste: 7 Aufgaben, die echte Schäden verhindern

1. Außenwasserhahn abstellen und Schlauch leeren

Der Klassiker unter den Frostschäden. Wasser dehnt sich beim Gefrieren aus, und dann platzt der Außenwasserhahn oder gleich die Leitung dahinter. Die Reparatur kostet mehr als jedes Gartengerät, das Du je besessen hast.

Dreh drinnen das Absperrventil für den Außenhahn zu. Meistens sitzt es im Keller oder im Hauswirtschaftsraum. Dann öffnest Du den Hahn draußen und lässt ihn offen, damit das Restwasser ablaufen kann. Den Gartenschlauch rollst Du ab, lässt das Wasser rauslaufen und hängst ihn in Keller, Garage oder Schuppen. Brausen und Spritzdüsen kommen gleich mit. Dauer: zehn Minuten. Ersparter Ärger: unbezahlbar.

 

2. Regentonne, Gießkannen und Tontöpfe leeren

Eine volle Regentonne kann bei strengem Frost reißen. Lass sie bis auf einen kleinen Rest leerlaufen oder kipp sie aus und leg den Deckel drauf. Gießkannen wandern kopfüber in den Schuppen. Leere Tontöpfe, Vogeltränken und Schalen behandelst Du genauso: ausleeren, umdrehen, unterstellen. Sonst saugt sich der Ton voll, das Wasser gefriert, und im Frühjahr sammelst Du Scherben auf.

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3. Frostempfindliche Kübelpflanzen reinholen

Oleander, Zitronenbäumchen, Geranien, Fuchsien, Engelstrompete: Alles, was nach Urlaub am Mittelmeer aussieht, verträgt keinen oder kaum Frost. Die meisten mögen es im Winter hell und kühl, ideal sind ungefähr 5 bis 10 Grad. Ein unbeheiztes Treppenhaus, ein heller Kellerraum oder die Garage mit Fenster passen prima. Im warmen Wohnzimmer werfen viele Kübelpflanzen dagegen beleidigt die Blätter ab.

Wann ist es so weit? Spätestens, wenn die ersten Nachtfröste angesagt sind. Oleander steckt ein paar leichte Minusgrade weg, Zitrus und Geranien sollten früher rein. Im Winterquartier gießt Du nur sparsam und düngst gar nicht. Die Pflanzen halten Winterruhe und wollen ihre Ruhe haben.

Mein persönlicher Tipp: Große Kübel trägst Du nicht, Du rollst sie. Ein Pflanzenroller unter dem Topf, und der Oleander fährt fast von allein ins Winterquartier. Im Frühjahr geht es genauso bequem zurück. Dein Rücken bedankt sich!

 

4. Winterharte Kübelpflanzen einpacken

Diesen Punkt unterschätzen viele: Auch winterharte Pflanzen wie Lavendel, Buchs oder kleine Ziersträucher können im Topf erfrieren. Im Beet schützt sie die Erde rundherum. Im Kübel friert der Wurzelballen dagegen von allen Seiten durch. Das Problem sitzt also unten im Topf und gar nicht oben in den Blättern.

  • Ab an die Wand: Rück die Kübel an eine geschützte Hauswand, am besten unter einen Dachvorsprung.
  • Füße hoch: Stell den Topf auf Holzlatten, eine Styroporplatte oder Topffüße. So kommt die Kälte nicht von unten, und Regenwasser kann ablaufen.
  • Warm einpacken: Wickel den Topf mit Kokosmatte, Jute oder Luftpolsterfolie ein.
  • Mütze auf: Auf die Erde kommt eine Kokosscheibe oder eine Handvoll Laub. (Siehst Du? Laub ist nützlich!)

 

5. Empfindliche Beetpflanzen mit Vlies abdecken

Junge Pflanzen, frisch gesetzte Stauden oder alles mit „bedingt winterhart“ auf dem Etikett freuen sich über eine Decke aus Wintervlies. Das leichte Gewebe hält Frost und eisigen Wind ab, lässt aber Luft und Licht durch. Locker drüberlegen oder um die Pflanze wickeln, mit ein paar Steinen beschweren, fertig. Greif dabei bitte zu Vlies und lass die Plastikfolie im Schrank: Unter Folie schwitzt die Pflanze und fängt an zu schimmeln.

Rosen bekommen eine Extraportion Schutz. Häufel Erde oder Kompost etwa 15 bis 20 Zentimeter hoch um die Basis an. Das schützt die empfindliche Veredelungsstelle, und mehr braucht es nicht.

Für kleine Bäumchen und Sträucher gibt es fertige Vliessäcke, die Du nur noch überstülpst.

     

    6. Immergrüne an frostfreien Tagen gießen

    Klingt absurd, stimmt aber: Viele Pflanzen erfrieren im Winter gar nicht, sie verdursten. Immergrüne wie Kirschlorbeer, Buchs oder Rhododendron verdunsten auch in der kalten Jahreszeit Wasser über ihre Blätter. Ist der Boden gefroren, kommt kein Nachschub. Gieß deshalb vor dem ersten Frost noch einmal kräftig und danach an frostfreien Tagen, wenn die Erde trocken ist. Einmal im Monat nachschauen reicht völlig.

    Lies mehr:  Ein Hoch auf Kräuter auf dem Balkon

     

    7. Gartenmöbel und Geräte unterstellen

    Polster rein, Sonnenschirm zu und ab damit in den Schuppen. Holzmöbel überstehen den Winter am besten trocken und luftig. Unter einer luftdichten Plastikplane sammelt sich Feuchtigkeit, und im Frühjahr wartet der Schimmel. Was draußen bleiben muss, bekommt eine atmungsaktive Schutzhülle. Spaten, Gartenschere und Harke bürstest Du kurz ab und lagerst sie trocken, dann rosten sie nicht. Das war’s!

    Schuppen oder Gartenhaus zu voll für Möbel und Kübel? Mit meinem 30-Tage-Entrümpelungsplan schaffst Du in 15 Minuten Platz im Schuppen.

     

    Die Darf-liegen-bleiben-Liste: Faulheit mit gutem Gewissen

    Jetzt kommt mein Lieblingsteil. Die folgenden Aufgaben stehen in vielen Gartenratgebern ganz oben. Du darfst sie streichen.

     

    Laub im Beet und unter Hecken

    Laub ist Winterdecke, Dünger und Tierhotel in einem. Im Beet und unter Sträuchern schützt es den Boden vor Frost, verrottet bis zum Frühjahr zu wertvollem Humus und bietet Igeln, Marienkäfern und vielen anderen Tieren ein Winterquartier. Also: liegen lassen! Oder noch besser, das Laub vom Gartenweg mit dem Besen ins Beet schieben. Zwei Fliegen, eine Klappe.

    Die eine Ausnahme ist der Rasen. Eine dicke, nasse Laubschicht nimmt dem Gras Licht und Luft, darunter entstehen gelbe, kahle Flecken. Hier lohnt sich das Wegräumen. Mein persönlicher Tipp: Fahr mit dem Rasenmäher drüber. Er zerkleinert das Laub und sammelt es gleich im Fangkorb.

    Was nicht ins Beet passt, kommt auf den Kompost, in die Biotonne oder in einen Laubsack. Eichen- und Walnusslaub verrottet sehr langsam, davon packst Du lieber keine dicke Schicht aufs Gemüsebeet.

     

    Stauden zurückschneiden

    Die verblühten Stängel von Sonnenhut, Fetthenne oder Ziergräsern dürfen stehen bleiben. In hohlen Stängeln überwintern Wildbienen und andere Insekten, und die Samenstände sind Futter für Vögel. Mit Raureif sehen sie im Dezember außerdem richtig hübsch aus. Geschnitten wird im Frühjahr, kurz bevor das neue Grün kommt. Nur was matschig wird und fault, darf schon jetzt weg.

     

    Den Rasen perfekt machen

    Vertikutieren, Herbstdünger, Kanten stechen? Kannst Du machen. Musst Du aber nicht. Mäh ein letztes Mal, wenn das Gras kaum noch wächst, meist im Oktober oder November, und stell den Mäher dafür auf etwa fünf Zentimeter. Der Rasen hält Winterschlaf. Du darfst Dich gern anschließen.

     

    Die Hecke in Form bringen

    Ein Rückschnitt im Herbst ist erlaubt, aber kein Muss. Viele Hecken sind jetzt Unterschlupf und Futterquelle für Vögel. Ein Formschnitt hat auch im Spätwinter noch Zeit. Kleiner Hinweis am Rande: Radikale Rückschnitte erlaubt das Bundesnaturschutzgesetz ohnehin nur zwischen Oktober und Ende Februar, sanfte Formschnitte gehen das ganze Jahr.

    Lies mehr:  Nachhaltig gießen, Teil 1: Die besten wassersparenden Bewässerungssysteme für Garten und Balkon

     

    Das Gemüsebeet umgraben

    Früher gehörte Umgraben im Herbst zum Pflichtprogramm. Heute raten viele Gärtnerinnen davon ab, weil es das Bodenleben durcheinanderwirbelt. Eine Mulchschicht aus Laub oder Rasenschnitt auf dem leeren Beet ist bequemer und tut dem Boden besser. Du sparst Dir also nicht nur die Rückenschmerzen, Du tust auch noch etwas Gutes.

    Wie Du Deinen Gartenboden ganz ohne Umgraben verbesserst, liest Du hier.

     

    Dein Samstagvormittag: der Zeitplan

    Damit Du nicht lange überlegen musst, habe ich Dir einen Ablauf zusammengestellt. Ja, je nach Größe und Ausstattung Deines Gartens kann der Zeitaufwand größer oder kleiner sein. Aber schaffbar ist es so oder so! Gartenhandschuhe an, Lieblingspodcast auf die Ohren, los geht’s:

    • 9:00 Uhr: Wasser abstellen, Außenhahn öffnen, Schlauch leeren und aufrollen (15 Minuten)
    • 9:15 Uhr: Regentonne, Gießkannen und Tontöpfe leeren (15 Minuten)
    • 9:30 Uhr: Frostempfindliche Kübel ins Winterquartier rollen (45 Minuten)
    • 10:15 Uhr: Kaffeepause. Die ist Pflicht!
    • 10:30 Uhr: Winterharte Kübel einpacken, Vlies über empfindliche Pflanzen, Rosen anhäufeln (45 Minuten)
    • 11:15 Uhr: Laub vom Rasen mähen oder rechen, den Rest ins Beet schieben (30 Minuten)
    • 11:45 Uhr: Gartenmöbel und Geräte wegräumen (30 Minuten)
    • 12:15 Uhr: Fertig! Hände waschen, Füße hoch.

    Ohne Kübelpflanzen bist Du schon vor elf durch. Und wenn der Samstag verregnet ist? Dann verteil die Aufgaben auf zwei Feierabende mit je einer Stunde. Hauptsache, der Wasserhahn ist vor dem ersten Frost dran.

     

    Was Du brauchst (und was im Baumarkt bleiben darf)

    Für Deinen Herbstgarten brauchst Du kein Arsenal an Geräten. Die Grundausstattung passt in eine Schubkarre: Gartenhandschuhe, ein Rechen, ein paar Laubsäcke, eine Rolle Wintervlies und etwas Kokosmatte oder Jute für die Kübel. Wer große Töpfe hat, legt sich einmalig Pflanzenroller zu. Alles andere ist Luxus.

    Laubsauger, Häcksler und Vertikutierer kannst Du kaufen, wenn Du unbedingt möchtest, kannst sie aber auch im Laden stehen lassen. Für mich persönlich gilt die Regel: Was mehr Platz im Schuppen braucht, als es mir Zeit spart, kommt nicht ins Haus.

     

    Nicht perfekt. Aber winterfest.

    Nach diesem Vormittag sieht Dein Garten nicht aus wie im Hochglanzmagazin. Muss er auch nicht. Die Wasserleitung ist sicher, der Oleander sitzt im Warmen, und im Laubhaufen schnarcht ein Igel. Mehr braucht es nicht!

    Und die Nachbarin mit dem Golfrasen? Die recht am Sonntag schon wieder. Du sitzt währenddessen mit einer Decke auf dem Sofa und blätterst durch Rezepte. Apropos: Demnächst zeige ich Dir, wie Du an einem einzigen Sonntag fünf Wintergerichte für die ganze Woche vorkochst.

    Also: Wasserhahn zu, Kaffee in die Hand, raus in den Garten.